Wie der Zaunkönig zu seinem Namen kam
Zaunköniglied
(Nach der Melodie
"Der Kuckuck und der Esel")

In einem großen Wald lebten viele Vögel friedlich miteinander. Doch eines Tages stritten sie sich, wer der König der Vögel wäre.
"Ich will König werden", "Nein, ich will König werden" kreischten alle durcheinander.
Schließlich sagte der Spatz: "Morgen muss jeder zeigen, was er kann.
Der Beste wird dann König".
Alle waren einverstanden.

1. Strophe

1. Die Vögel in dem Walde,
die hatten einen Streit,
|: wer wohl ihr König wäre :|
|: zur schönen Frühlingszeit. :|

Am nächsten Tag versammelten sich die Vögel in einem Park. Nun mussten sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Alle waren sie da: Der Spatz, der Kuckuck, die Nachtigall, der Storch, der Specht, die Elster und der Dompfaff.

Die Nachtigall behauptete: "Ich kann am schönsten singen!"
Aber weil der Kuckuck den schönsten Gesang für sich in Anspruch nahm, "Nein, ich kann am schönsten singen!" stritten sie so sehr, dass nur ein fürchterliches Geschrei zustande kam.

2. Strophe

2. Der Kuckuck und die Nachtigall,
die sangen im Duett.
|: Sie schrien immer lauter :|
|: und das klang gar nicht nett. :|

Als nächstes brüstete sich der Storch und klapperte laut mit seinem Schnabel: "Ich bin ein Mann von Welt. Jedes Jahr fliege ich bis an den südlichsten Zipfel Afrikas. Ich habe ferne Länder gesehen, von denen ihr nur träumen könnt, ihr engstirnigen Denker!"
Die anderen Vögel fanden, dass der Storch ein Angeber sei.

3. Strophe

3. Der Storch mit seinem Schnabel
sprach: "Ich heiß Adebar.
|: Ich hab die Welt gesehen, :|
|: flog bis nach Afrika." :|

Nun machte der Specht auf sich aufmerksam.
Er vollführte ein solch lautes Trommelkonzert, dass sich die Vögel die Ohren zuhalten mussten, sonst wäre ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Trommelfell geplatzt.

4. Strophe

4. Mit seinem lauten Trommeln,
da stört der Specht die Ruh.
|: Es hielten sich die Vögel :|
|: gleich beide Ohren zu. :|

Die Elster hatte sich so herausgeputzt, dass alles an ihr glänzte und glitzerte. Sie war von oben bis unten mit Schmuck behangen, und wenn sie eine Krone gehabt hätte, hätte sie sich diese womöglich gleich aufgesetzt. "Schaut her, wie ich tanzen kann", kreischte sie und vollführte einen schrecklichen Bauchtanz.
"Und seht nur mein wunderschönes Geschmeide!"
"Du hast doch alles nur geklaut!" schrien die Vögel im Chor. Die Elster war bei ihnen nicht beliebt und sie fanden ihren Aufzug ziemlich kitschig.

5. Strophe

5. Die Elster sprach: "Ich tanze,
sogar auf einem Bein."
|: Sie wollt die Allerschönste :|
|: in Feld und Walde sein. :|

Der Dompfaff meinte, er sei der würdigste König, weil er der Frömmste von allen sei. "Schaut nur mit welch ehrwürdigem Federkleid ich ausgestattet bin. Es ist einfach meine Bestimmung König zu werden", rief er.
Die anderen Vögel merkten jedoch, dass er nur scheinheilig und eitel war.

6. Strophe

6. Der Dompfaff kam geflogen
in seinem Pfaffenkleid.
|:"Ich bin der Allerfrömmste", :|
|: rief er vor Eitelkeit. :|

Weil die Vögel so laut miteinander zankten, hatten sie nicht bemerkt, dass eine Katze lautlos durch das Gebüsch schlich und nur darauf wartete, einen der Vögel zu schnappen.

Ein winzig kleines Vögelchen, das etwas abseits auf einem Zaun saß, hatte das Geschehen beobachtet.
Als es die Katze sah und die Gefahr erkannte, die den anderen Vögeln drohte, flatterte es aufgeregt hin und her und warnte sie mit solch lautem Gezwitscher, dass sich alle schnell in den umliegenden Bäumen in Sicherheit brachten.

Als die Vögel sich von dem Schreck erholt hatten und die Katze enttäuscht davon schlich, holten sie den Winzling in ihre Mitte.
"Du hast uns das Leben gerettet. Du bist der wahre König!" und weil sie ihn auf dem Zaun sitzen sahen, nannten sie ihn den ZAUNKÖNIG.

Bis heute noch warnt der Zaunkönig die Vögel des Waldes bei Gefahr mit seinem lauten Pfeifen und Singen. Aber, obwohl er jetzt König war, blieb der Zaunkönig immer bescheiden und freute sich seines Lebens, denn "frei zu sein wie ein Vogel" war für ihn das Wichtigste!

7. Strophe

7. Ein winzig kleines Vöglein
fliegt dann und wann vorbei.
Es huscht durch Strauch und Zäune
und träumt noch seine Träume
|: ganz unbeschwert und frei. :|
Text © Frau Wolf 2004
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