Seit 40 Jahren: "Guten Morgen Frau Stengele"
VON GUDRUN BEICHT
Der SÜDKURIER sprach mit der Pädagogin, die auch nach vier Jahrzehnten Schuldienst nicht die Freude an ihrem Beruf verloren hat. "Ich kam mit 21 Jahren frisch vom Studium in Freiburg an die Schule nach Rohrdorf", erinnert sie sich. Die gebürtige Gutensteinerin heiratete 1971 den Landwirt Artur Stengele und wohnt seither mit ihrer Familie am Ortsrand von Rohrdorf. Neben ihrem Lehrerberuf zog sie vier Kinder groß und half, wenn nötig, auch in der Landwirtschaft mit.

Bild: Beicht
Ingeborg Stengele auf dem Balkon ihres Hauses in Rohrdorf, wo sie nahezu so lange wohnt, wie sie schon Lehrerin im Ort ist: fast 40 Jahre. Die Kinder waren früher ruhiger als heute und konnten sich auch länger konzentrieren, aber gestritten haben sie schon immer." Ingeborg Stengele ist seit 40 Jahren Lehrerin an der Rohrdorfer Schule und weiß, wovon sie spricht. Vor kurzem wurde sie für diese lange Zeit, zusammen mit weiteren Kollegen aus dem Landkreis, geehrt.

"Ans Aufhören denke ich noch nicht", sagt die bald 60-Jährige. "Ich gehe immer noch jeden Tag gerne zur Schule", betont sie. "Erhalten hat sich über all die Jahre die gute Atmosphäre an der Schule, im Kollegium und mit den Kindern", freut sich die Pädagogin und räumt ein: "Von Einzelfällen mal abgesehen." Seit Beginn der 90er Jahre leitet sie die Musik-AG, die von rund 45 Kindern der Grundschule besucht wird. Was in dieser AG geleistet wird, davon konnte man sich in der vergangenen Woche überzeugen, bei der Aufführung des Kindermusicals "Strubbeltatz" im Rahmen des Schulfestes. Dass über die Hälfte der 80 Kinder an der Schule dieses Angebot wahrnehmen, ist sicher ein Verdienst der engagierten Lehrerin, die aber bescheiden abwinkt. "Bei dem Freizeitangebot, das die Kinder heutzutage haben, ist es nicht selbstverständlich, dass sie noch einmal in der Woche für zwei Stunden in die AG kommen", weiß sie.

Einige Meilensteine, die die Schule geprägt haben, hat Ingeborg Stengele während der 40 Jahre miterlebt. In den 70er Jahren gab es die Mengenlehre, die nach wenigen Jahren wieder vom Lehrplan verschwand. Unterrichtsfreie Samstage wurden eingeführt, nicht immer zur Freude der Eltern und in jüngster Zeit das Gerangel um die neue Rechtschreibung.

Die Einführung neuer Bildungspläne in den Jahren 1984, 1994 und 2004 brachte Veränderungen. Das Fach "MNK" (Mensch, Natur, Kultur) löste "HuS" (Heimat- und Sachunterricht) ab. Zu Beginn ihrer Lehrtätigkeit gab es dafür Bezeichnungen wie Zeichnen beziehungsweise Bildende Kunst, Handarbeit oder Technisches Werken, Gemeinschaftskunde und Naturkunde. Bei Schulausflügen begnügte man sich in den 60er und 70er Jahren noch meist mit einem Tagesausflug ins Donautal, wo man Boot fuhr oder schwimmen lernte.

An Schwimmwesten oder Sicherheitsvorschriften dachte man damals eher weniger. "Wir haben gegrillt und allen hat es gefallen", erinnert sich Ingeborg Stengle. Die gravierendste Änderung war wohl die Einführung des Englischunterrichts an der Grundschule. Auch das Internet ist als Lernhilfe bereits in der Grundschule nicht mehr wegzudenken.

Gab es früher noch Lehrer, die zur Begrüßung erwarteten, dass die Schüler aufstanden und im Chor ein zackiges "Guten Morgen Herr Oberlehrer" schmetterten, genügt den heutigen Lehrern meist ein freundliches "Guten Morgen" und sie dürfen sitzen bleiben. So militärisch streng sehen das die meisten Lehrkräfte heute nicht mehr.

Quelle: SÜDKURIER