Bericht der SCHWÄBISCHEN ZEITUNG

Meßkirch 20.09.2010


Bildungshaus soll Schule erhalten

(ROHRDORF/sz) Viele kleine Grundschulen auf dem Land sind gefährdet. Auch hinter der Zukunft der Rohrdorfer Grundschule steht ein dickes Fragezeichen. Schulleiter Norbert Vogler will mit der Einrichtung eines Bildungshauses den Standort dauerhaft retten.

Von unserem Redakteur Dirk Thannheimer

Der Rohrdorfer Grundschule geht es wie vielen anderen Grundschulen dieser Größe: Die Anzahl der Schüler wird immer geringer. „Die rückgängigen Geburtenjahrgänge machen uns zu schaffen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir die Grundschule für immer hier halten können“, sagt Rohrdorfs Ortsvorsteher Hubert Frick. Er setze alle Hebel in Bewegung, damit junge Familien die noch leerstehenden Häuser bewohnten. Das A und O sei es seiner Ansicht aber, dass im Raum Meßkirch zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, um den Wohnort Rohrdorf attraktiv zu machen.

Auch Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick will den Standort in Rohrdorf erhalten, ist aber skeptisch. „Ich weiß nicht, wie das in zehn oder 20 Jahren aussieht“, so Zwick, der die demografische Entwicklung mit sorgenvoller Miene betrachtet. Deshalb geht Schulleiter Norbert Vogler in die Offensive. Noch vor den Sommerferien hat sich die Grundschule Rohrdorf als Bildungshaus beworben. Seit etwa drei Jahren läuft in Baden-Württemberg das Pilotprojekt Bildungshaus. An verschiedenen Standorten lernen Kinder zwischen drei und zehn Jahren gemeinsam.

Ziel des Bildungshauses ist es, den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule fließend zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen einrichtungsübergreifende Lern- und Spielzeiten in jahrgangsgemischten Gruppen. Dadurch können die in ihrer Existenz bedrohten Schulen mit Kindergärten zusammengelegt werden. „Das ist eine große Chance für uns, den Standort zu festigen“, sagt Vogler, der dieses Jahr 21 Erstklässler begrüßen durfte. Insgesamt werden in den Klassen eins und zwei 26 Schüler unterrichtet. In der dritten Klasse sind es 16, in der vierten Klasse 17 Schüler, die von vier Klassenlehrern und einem Referendar unterrichtet werden.

„Kurze Beine – kurze Wege“
Doch ein Blick in die Zukunft zeigt, dass sich diese Zahlen eher nach unten bewegen. „Die Schließung der Grundschule wäre ein riesiger Verlust“, sagt Vogler. Doch so weit will er nicht denken. „Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung“, ergänzt Vogler, der hofft, dass das Kultusministerium seinem Leitsatz treu bleibt. „Kurze Beine – kurze Wege“.

(Erschienen: 20.09.2010 20:00)