Brieffreunde: Grundschüler schreiben nach Kahoku
Rohrdorfer Drittklässler haben Partnerklasse in Japan - Erdbeben in Fukushima schriftlich verarbeitet
Von Dirk Thannheimer
ROHRDORF Die Drittklässler der Grundschule Rohrdorf warten alle schon ungeduldig auf Post aus Meßkirchs japanischer Partnerstadt Kahoku. "Wir hoffen, dass der zweite Brief noch bis zum Ende dieses Schuljahrs ankommt", sagt die Referendarin Christine Aleker. Sie unterrichtet die Grundschüler im Fach Mensch, Natur und Kultur. Geschrieben wird der Brief von den Drittklässlern aus Kahoku, übersetzt wird er von Katja Schneider, Dolmetscherin und Koordinatorin für internationale Beziehungen.
Begonnen hat die Brieffreundschaft mit der Partnerklasse im Herbst 2010. Alekers Idee war es, den Drittklässlern die Begegnung mit gleichaltrigen Kindern aus anderen Ländern zu ermöglichen. "Die Schüler waren sofort begeistert", so Aleker, die kurz danach Kontakt mit der Grundschule Oomi in Kahoku aufnahm. Mit Erfolg. Ende des vergangenen Jahres schrieben die Rohrdorfer gemeinsam ihren ersten Brief. "Die Kinder stellten ihre Schule vor, ihre Gegend, in der sie wohnen und ihre Hobbys", nennt Aleker Inhalte des ersten Briefs von Rohrdorf nach Kahoku. Wochen später kam sehr zur Freude der Schüler die Antwort aus Japan. "Die Kinder waren ganz aufgeregt, als ich ihnen den Brief der Partnerklasse vorlas." In diesem Brief erfuhren die Rohrdorfer, wie in ihrer Partnerklasse unterrichtet wird, wie das Schulsystem in Japan funktioniert. Sie schickten außerdem Fotos von sich mit, die seither an der Wand des Klassenzimmers hängen.
Sammelbox für Ideen
Von diesem Zeitpunkt an stand für die Schüler endgültig fest, die Brieffreundschaft fortzuführen, sich weiter auszutauschen und auf dem Laufenden zu halten. Im Klassenzimmer wurde eine Sammelbox aufgestellt, in der die Schüler ihre Vorschläge für die nächsten Briefe einwerfen können. "Ich wollte, dass die Japaner wissen, was wir in Deutschland essen und trinken", sagt die neunjährige Nicole Oehler. "Die wissen gar nicht, was Fasnet ist", ergänzt Friederike Wiskandt.
So wurde der Brief immer dicker und dicker, mit Steckbriefen von jedem einzelnen Schüler. Doch noch vor dem zweiten Brief wurde die Freundschaft zwischen den beiden Partnerklassen auf eine harte Probe gestellt. Im März dieses Jahres folgten das schwere Erdbeben und der Tsunami in Fukushima. "Das war für die Kinder wie ein Schock. Sie waren in großer Sorge und verarbeiteten ihre Erlebnisse in dem Brief." "Wir hatten ganz schön Angst, sind aber froh, dass es ihnen gut geht", sagt wiederum Nicole, die am liebsten einmal nach Japan fliegen würde, um ihre Partnerklasse zu besuchen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Erst einmal schreiben sich die Schüler weiterhin die Finger wund und basteln Lesezeichen. "Es wäre schön, wenn die Brieffreundschaft bestehen bleibt und sogar ausgebaut wird", sagt Aleker, die nicht nur eine große Begeisterung bei den Schülern ausgelöst, sondern auch einen wichtigen Lerneffekt erzielt hat.