Urkunde zur Schulhauseinweihung
Urkunde

zum Schulhaus-Neubau in Rohrdorf

Mit der Bitte, an unseren Schöpfer, daß er diesen Bau segnen wolle, übergeben wir diese Urkunde in die Mauern unseres Schulhausneubaues.

So geschehen am 9. Oktober 1961, in einer Zeit, da bemannte Raumschiffe die Erde umkreisen und trotz äußeren Wohlstandes noch kein Frieden auf der Welt eingekehrt ist. So ist nach dem schrecklichen zweiten Weltkrieg von 1939-1945 unser Vaterland noch immer gespalten. Täglich haben Tausende bis zur Abriegelung Ostberlins am 13. August 1961 ihre Heimat im Osten verlassen, um bei uns in Westdeutschland Zuflucht zu suchen. Der unerträgliche politische Zwang in der Ostzone hat diese Massenflucht in die Freiheit ausgelöst. Dieser Weg ist nun leider durch Stacheldraht und Sperrmauern brutal verschlossen worden.

Unser deutsches Heimatland wird von Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke und Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer regiert.

In unserer engeren Heimat Baden-Württemberg ist Kurt Georg Kiesinger Ministerpräsident. An der Spitze unseres Landkreises steht Landrat Freiherr von Gleichenstein. Sein Stellvertreter ist Regierungsrat Heid. Der Schulkreis wird von Kreisschulrat Karl Fischer betreut.

Die Geschicke der Gemeinde Rohrdorf leitet seit 1949 Bürgermeister Ernst Schweikart, welcher verantwortungsbewußt die Arbeit leistet und vom Gemeinderat tatkräftig unterstützt wird. H. H. Dekan Emil Hofmann, Oberlehrerin Theresia Schroff und Hauptlehrer Egon Zimmermann leiten Pfarrgemeinde und Schule.

Rohrdorf zählt heute 747 Einwohner. Die Schülerzahl beträgt 98 und wird in den nächsten Jahren stark anwachsen. Die Ansiedlung von Industrie in der Gemeinde wird sich auf die Schülerzahl günstig auswirken. Das alte Schulhaus in der Mitte des Dorfes ist 135 Jahre alt und veraltet. Es war nur ein Klassenzimmer vorhanden. Der andere Teil war Ökonomie der früheren Lehrer. Diese Ökonomie wurde im Jahre 1885 zu einem 2. Klassenzimmer umgebaut.

Die wachsende Schülerzahl stellte die Gemeindeverwaltung vor die dringliche Aufgabe, ein neues Schulhaus zu errichten. Nach Besichtigung ähnlicher Neubauten und mehreren Beratungen hat der Gemeinderat am 15. Januar 1960 einstimmig den Schulhausneubau beschlossen.

Unter 3 Bewerbern wurde die Planung und Bauleitung Herrn Dipl.-Ing. Wilhelm Ebermann aus Meßkirch übertragen.

Nach Genehmigung des Baugesuches erfolgte die Ausschreibung der Bauarbeiten am 9. März 1961. Für Maurer und Betonarbeiten ging kein Angebot ein. Den Zuschlag erhielt schließlich die Großbaufirma Müller-Altvater, Stuttgart. Die Zimmerarbeiten werden von Zimmermeister Hans Keller, Rohrdorf durchgeführt.

Vor Beginn der Bauarbeiten mußte der Baugrund untersucht werden, da der Untergrund viel Triebsand aufwies. Die Bohrungen wurden bis auf eine Tiefe von 16 m vorgenommen. Es mußten sämtliche Wände verpfählt werden. Hierzu sind 66 Zementpfähle mit einem Rammgerät in den Baugrund eingetrieben worden, um die Festigkeit des Schulhausneubaues zu gewährleisten.

Der Kostenvoranschlag weist eine Gesamtsumme von 500.800.- DM aus.

Hiervon bringt die Gemeinde an Eigenmitteln auf 103.000.- DM
Der Staat gibt einen verlorenen Zuschuß von 22.9000.- DM
Die Gemeinde hat ein Darlehen aufzunehmen von 168.800.- DM
Die Gesamtsumme von 500.800.- DM
dürfte jedoch wesentlich überschritten werden.

Unter der umsichtigen Bauleitung von Dipl.Ing. Ebermann, Meßkirch und in fleißiger exakter Arbeit der Baufirma Müller-Altvater, Stuttgart wird das neue Schulgebäude erstellt. Dieses Ziel verlangt von der Gemeinde große Opfer, die aber zum Wohle unserer Jugend und zur Förderung der Erziehung gern gebracht werden.

Möge unser Herrgott das begonnene große Werk segnen und den folgenden Generationen viel Gutes daraus erwachsen.

Rohrdorf, im Oktober 1961